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Wird 2021 das Jahr der Gender-Balance in der Musik sein?

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Wird 2021 das Jahr der Gender-Balance in der Musik sein?

Grüße aus Deutschland im Lockdown light, wo wir auch in diesen Zeiten immer noch versuchen, einige der größten Probleme in der Musikszene zu korrigieren, insbesondere das der weiblichen Beteiligung.

Für diejenigen, die ihn verfolgen, ist der jährliche USC Inclusivity Report eine nüchterne Lektüre. Frauen sind nicht nur auf der Bühne, im Radio und bei der Preisverleihung unterrepräsentiert, sondern sie fehlen auch hinter den Kulissen, wo das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern noch größer wird. Der Report 2020 zeigte zum Beispiel, dass nur 2,6 % der Musikproduzenten Frauen sind. Noch weiter hinter den Kulissen und im Plattenlabelgeschäft sind nur ein Drittel der Führungspositionen mit Frauen besetzt.

In Berlin hat eine konkrete Organisation versucht, diese Ungleichgewichte durch gemeinschaftsbildende Programme, Diskurse und Veranstaltungen zu korrigieren. DICE, das zwischen dem 29. und 31. Oktober – am „Abend vor dem Lockdown” – stattfand und nun schon im dritten Jahr stattfand, hinterfragte die heteronormativen Narrative unserer Musikszene, mit knallharten Vorträgen über radikalen Wandel, Intersektionalität und einigen wilden Performances, die eingestreut wurden.

Mit einem Programm, das sich aus digitalen Veranstaltungen und persönlichen Vorträgen und Performances zusammensetzt, stellte das Festival die Fragen: „Welche Gemeinschaften werden durch die Krise unverhältnismäßig stark benachteiligt?” und „Wie stellen wir sicher, dass es Musikräume gibt, in die man zurückkehren kann?” Auch wenn Deutschland und insbesondere Berlin mit ihrer stolzen Offenheit und vielfältigen Szene prahlen, wird hinter den Kulissen viel Arbeit geleistet, um dahin zu gelangen.

 

 

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Source: Pathways Kasia Zacharko

Pathwaves startete in der ersten „Lockdown light“-Woche in sein zweites Jahr. Die Veranstaltung, die in den Red Bull Music Studios in Berlin stattfindet und für die Teilnehmer online gestreamt wird, diente als Produktionscamp für Frauen und Minderheiten, um Fähigkeiten aufzubauen und die Gemeinschaft zu fördern. Durch die Teilnahme von namhaften Vertretern der Musikszene sollte Pathwaves denjenigen, die es brauchen, das nötige Handwerkszeug an die Hand geben und dazu beitragen, die Zahl der weiblichen Produzenten von 2,6 % zu erhöhen.

Sie sind auch nicht allein. GRRRL-NOISY, das Anfang des Jahres gegründet wurde, hat es sich ebenfalls zur Aufgabe gemacht, Frauen in der Live-Branche zu vernetzen und sich gegenseitig zu unterstützen. Ihr Ziel ist es, die Vorsilbe „female-fronted“ dauerhaft aus allen Bandbeschreibungen zu entfernen und die weibliche Beteiligung in der Rockszene zu normalisieren. Die Organisation GRRRL-NOISY war so lautstark, dass das Team des Reeperbahn Festivals sofort auf sie aufmerksam wurde und ihren Dokumentarfilm während der diesjährigen Veranstaltung zeigte.

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Photo by: Pexels/Papa Yaw

Natürlich sind sie keineswegs Außenseiterinnen innerhalb der deutschen Musikszene. Andere Projekte wie musicBwomen, der Frauenmusikclub Köln, female:pressure, die internationale Kollektiv shesaid.so – und so viele mehr – arbeiten mit Hochdruck daran, die Geschlechterproblematik in der Szene anzugehen. Wir können nur hoffen, dass die harte Arbeit, die in dieser Zeit der Krise geleistet wurde, Früchte tragen wird, wenn die Live-Szene wieder zu blühen beginnt. Das Primavera Sound zum Beispiel hat mit seinem völlig geschlechtergerechten Line-up eine Vorreiterrolle eingenommen, die die großen Festivals in Deutschland noch nicht erreicht haben. Aber werden wir nach dieser langen Zeit der Einsamkeit und tiefen Selbstbesinnung im Jahr 2021 einen radikalen Wandel erleben?

Das wollen wir hoffen. Bis dahin lasst uns versuchen, das Beste aus einem harten Jahr 2020 zu machen.