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Der Beat lebt weiter in der Kälte des Nordens

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Der Beat lebt weiter in der Kälte des Nordens

Hallo zusammen, hier ist Cheryl!

Jetzt, wo wir uns der Weihnachtszeit nähern, ist es nur passend, dass ich Euch aus der nördlichsten aller europäischen Hauptstädte schreibe. Dass Island so weit im Norden liegt, heißt auch, dass es zu dieser Jahreszeit nur sehr wenig Sonnenlicht gibt; am Weihnachtsfeiertag (hier ist das der 24.) geht die Sonne um 11:34 Uhr auf und um 15:31 Uhr unter. Das sind kaum vier Stunden Sonnenlicht. Kein Wunder also, dass die Isländer ihre Weihnachtsdekorationen und Lichterketten überall lieben.

Trotz der Dunkelheit – sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne – der diesjährigen Weihnachtszeit, gibt es immer noch genügend Hoffnung. Nach fast fünf Wochen Schließung feierte Island, als die Schwimmbäder wieder geöffnet wurden, eine altehrwürdige Tradition des Eintauchens in heißes Wasser, die für viele zu einer Art täglichem Ritual geworden ist. Ebenso wurde gefeiert, als die Nachricht von der Einführung des Corona-Impfstoffs die Zeitungen erreichte, was bedeutet, dass wir nächstes Jahr um diese Zeit hoffentlich genug Immunität haben werden, um zu der Live-Musik zurückkehren zu können, die wir so sehr lieben.

Selbst während Island sich von der dritten Welle der Pandemie erholt, haben wir Wege gefunden, Musik zu genießen, auch wenn die Straßen nicht von Touristen bevölkert sind. Wir sind noch nicht soweit, dass wir zu den Clubs und Partys zurückkehren, und die Restaurants müssen immer noch um 21 Uhr schließen, aber die leeren Läden, die früher die Touristen auf der Hauptstraße Laugavegur versorgten, sind zu einer neuen Art des sicheren Musikgenusses geworden, während die Leute den Künstlern hinter den Glasfronten zusehen.

Einer der bekanntesten Konzepte im Isländischen ist das des gluggaveður, oder Fensterwetters, für den Fall, dass das Wetter draußen windig und schrecklich ist (das passiert sehr häufig, wenn man auf einem nordatlantischen Felsen lebt), aber von innen schön, hell und sonnig aussieht. Jetzt hat sich der Spieß umgedreht, und wir schauen von außen nach innen auf das, was man gluggatónleikar oder „Fensterkonzerte“ nennt. Nach vielen Monaten ohne, sind die Menschen ausgehungert nach jeder Form von Live-Musik und Verbindung. Künstler wie Auður haben Menschenmassen direkt vor seinem Fenster angezogen und die Fensterkonzertreihe hat bereits einige der größten isländischen Namen von Bríet bis Logi Pedro und mehr auf den Plan gerufen.

Live-Streams waren eine weitere Möglichkeit für Künstler, sich in diesen Zeiten zu beschäftigen. Hanna Mia hat durch die Zauberkraft von Zoom vor Publikum in nah und fern gespielt und sogar die Aufmerksamkeit von Giganten wie Airbnb, TikTok und Google auf sich gezogen; inzwischen wird die isländische Tradition der Weihnachtskonzerte durch Weihnachts-Livestreams der exquisiten Folk-Band Ylja ersetzt. Und natürlich gab es in diesem Jahr zum ersten Mal seit 20 Jahren die November-Tradition der Iceland Airwaves nicht in einem physischen Format, sondern wurde stattdessen durch „Live From Reykjavik“ ersetzt – ein globales Livestream-Event, das etwas dringend benötigte Verbundenheit brachte, indem es das Festival einem Publikum von Australien bis Alaska zugänglich machte.

Auch wenn wir in diesem Jahr angehalten sind, in unserer eigenen kleinen Weihnachtsblase zu bleiben und zu viele soziale Kontakte zu vermeiden, hatte Musik immer schon eine magische Wirkung, Menschen auf eine Art und Weise zu verbinden, die selbst die schlimmste Pandemie nicht aufhalten kann. Und sind es nicht gerade diese menschlichen Verbindungen, die den Geist von Weihnachten ausmachen?